Francotyp-Postalia Holding - die beste Idee, das meiste Kapital

Langweiliges, verständliches, konjunkturunabhängiges Geschäftsmodell

Unterbewertung mit Hebeleffekten

De-Mail Fantasie


Fairer Wert: 6 bis 8+ Euro (dzt Marktwert EUR 4,40)


Das Geschäftsmodell – ich versteh‘s

FPH verkauft Frankiermaschinen – genauer genommen: sie vermieten die Maschinen. Ein derart langweiliges Geschäftsmodell gepaart mit einem a-sexy Namen führte dazu, dass mich dieser Small-Cap sofort ansprang. Wer interessiert sich schon für eine Firma namens Francotyp-Postalia Holding, die noch dazu im sterbenden Briefgeschäft tätig ist. Ich wagte zumindest einen näheren Blick. Mittlerweile bilde ich mir ein hier einigermaßen zu verstehen, wie die ihr Geld verdienen. Sie vermieten Frankiermaschinen und kassieren Teleporto (wer mehr über Frankiermaschinen wissen will, sollte sich bspw das PostBase-System zu Gemüte führen. Das hat nichts mehr mit Briefmarken befeuchten und aufkleben zu tun.).


Die Konkurrenz im Frankiergeschäft – zwei Riesen

Pitney Bows (US-Unternehmen, Marktwert: 4.000 Mio Euro)
Neopost (Franzosen, Marktwert: 800 Mio Euro)
Zwei Riesen im Vergleich zu unserer Mini-FPH (Deutsche, Marktwert: 70 Mio Eur, 10 % Weltmarktanteil, rund 50% Marktanteil in D und A). Dazu konzentrieren sich die zwei Big Player auf andere Kunden, Großkunden.


Unique Selling Point FPH – schneller, billiger, kleiner

Pitney Bows und Neopost agieren im „Massensegment“ des Briefgeschäftes und ja – dieses ist tatsächlich im Sinken begriffen. E-Mail bzw generell physisch befreite Kommunikationswege reduzieren die Bedeutung des Briefes. Dennoch braucht es für manche – insbesondere rechtserhebliche Mitteilungen – immer noch den physischen Brief. Die Anwaltskanzlei, die Arztpraxis, KMUs – sie alle sind Kunden von FPH. Kunden einer auf sie zugeschnittenen Systemlösung (Stichwort PostBase). Man beschleunigt mit FPH nicht nur den „Prozess des Briefes“ und kann seine Aufmerksamkeit anderen Dingen (dem eigenen Geschäftsbetrieb) zuwenden, man senkt darüber hinaus noch die Porto-Kosten (glaubwürdig nachzulesen in jedem GB). Das Geschäft von FPH funktioniert demnach und ist – aufgrund der Nischenposition – sogar im Wachsen.





Das Unternehmen ist unterbewertet.



Seit Jahren hat FPH einen leicht wachsenden Umsatz (und das bei 80% wiederkehrenden Umsätzen). Konjunktur = egal. Viele kleine Kunden sorgen für Antifragilität. Bewertet wird das Unternehmen jedoch, als würde es ein schwerfälliger Versorger a la EON mit stagnierenden oder gar rückläufigen Umsätzen sein.





Warum unterbewertet – „Abschreibungen zurück in den Normalzustand“



Der Mietmarkt bringt einiges Ertragslagen-Dickicht mit sich. Die vermieteten Maschinen generieren kontinuierliche, konjunkturunabhängige Umsätze, aber … sie müssen abgeschrieben werden. Dies passiert über 5 Jahre hinweg. Die große Umstellung auf die neuen PostBase-Systeme (~ beginnend um 2012 herum) – welche laut dem Unternehmen nun (2015) abgeschlossen sei - schlägt demnach mit erhöhten Abschreibungen und geringerem EPS zu Buche (Verwendungsdauer sollte bei durchschnittlichen 10 Jahren liegen). Während der Abschreibungszeit wächst das Unternehmen weiter, aber unter dem Radar. Für den an der Oberfläche kratzenden Investor eben nicht ersichtlich. Die Abschreibungen belasten das EPS, belasten das KGV und das Unternehmen hat dennoch mehr zur Verfügung als anhand dieser Kennzahlen ausgewiesen. Kleine Indizien zum „Unter-dem-Radar“-Wachstum liefern bspw lediglich die Dividendensteigerung von 0,08 auf 0,16 Cent pro Aktie von 2014 auf 2015 (ich denke, wir werden uns weiter steigern).


Das Unternehmen prognostiziert für 2015 noch eine „hohe“ Investitionssumme von ca 17-18 Mio Euro – in den Folgejahren soll diese wieder sinken. Deutlich. Auf Normalniveau.

Dazu im GB 2014, S 14: CAPEX 2015 liegt noch bei 18 Mio Euro. Das „Normalniveau“ in den Jahren 2016, 2017 sollte sich laut Prognose auf „normalzuständische“ 11-13 Mio Euro einpendeln.

Und genau da liegt der Hebel. Schafft es FPH hier Sicherheit im Markt zu erzeugen bzw überhaupt das Verständnis für die Effekte in Zusammenhang mit Investitionsrückgängen zu vermitteln, wird die Unterbewertung erkannt werden und der Kurs auf ein faireres Niveau anziehen. Klare EPS Prognosen seitens des Vorstandes könnten helfen – man hält sich bedeckt.


De-Mail Fantasie

Wem ein unterbewertetes, mit Hebeleffekten verziertes, konjunkturunabhängiges Unternehmen mit 4 prozentiger Dividendenrendite noch nicht genügen sollte. Hier die Fantasterei zum Kurstreiben:

Deutsche Bundesbehörden sollten bzw besser müssen sich gem E-Gov-Gesetz bis März 2016 auf das De-Mail Verfahren umstellen (kurz: ermöglicht rechtssicheren E-Mail-Verkehr. Beschleunigt. Soll sparen helfen. Wird es auch.). Und dafür gibt es in Deutschland drei zertifizierte Anbieter – einer davon ist unsere FPH (wurde als erster zugelassen). In den Markt hineingefunden haben sie lt IR auch schon (Deutsche Rentenversicherung und Agentur für Arbeit sollen zwei der Kunden sein. Nicht die Menge der Kunden, sondern die Höhe der Transaktionen sei hier entscheidend).

Wer nicht weiß, was De-Mail ist und wie es sich auswirken wird. Keine Sorge, der Markt bewertet diese Fantasie derzeit mit Null – ich denke, wir werden hier positiv überrascht sein in wenigen Jahren.

Mein Standpunkt: meine beste Idee - die größte Allokation

Euer Geldexperiment