Wann es Zeit zum Kaufen ist. Und wann nicht.

Als fundamental orientierter Investor gebe ich naturgemäß nicht allzu viel auf „Market Timing“ (und schon gar nichts auf Charttechnik). Dennoch gibt es auch für mich im Hinblick auf „die richtige Zeit“ ein paar Grundsätze, wann ich Unternehmensanteile kaufe und wann nicht:

Screaming Bargain – kaufen wenn es schreit

Hier finde ich (unabhängig von der Stimmung an den Börsen) ein Unternehmen, welches einfach unglaublich unterbewertet ist (ich rede hier von Sicherheitsmargen über 50% und mehr) und wo es keinen offensichtlichen Grund für diese schlechte Bewertung gibt (der Teufel also maximal im Detail steckt^^).
Nach genauer Analyse wird gekauft – Market Timing egal. Meist finden sich solche Bargains jedoch ohnehin nur „unter dem Radar“ von Großinvestoren, sprich im Small-Cap oder gar Pennystock-Bereich. Ergo ist viel Research und Hausarbeit gefragt. Wie kommt man zu solchen Screaming Bargains? Buffett: „Well, start with the A’s“ (er meint damit, dass man nur mit harter eigener Hausarbeit diese unterbewerteten Unternehmen findet – eben weil sie unter dem Radar von Analysten und Co sind. Keiner wird sie einem zeigen und daher muss man sich konsequent von Unternehmen A bis Z durcharbeiten).


“Be Greedy When Others Are Fearful”

Das ist “mein” (Buffetts) beinahe einziger Zugang zum Market Timing: “… try to be fearful when others are greedy and greedy when others are fearful.”
Tatsächlich geht alle paar Jahrzehnte (oder teilweise Jahre) die Welt an den Börsen unter oder steht irgendwas irgendwo vor dem Kollaps – und alle fürchten sich davor. Genau das ist die Zeit, wo Unternehmen, welche ansonsten aufgrund ihre Größe und Bekanntheit stets relativ fair bewertet sind, plötzlich markante Unterbewertungen aufweisen. Kurzum: Weltuntergangsstimmung ist Kaufzeit.
Ich selbst musste immer wieder (von meiner eigenen Psyche geschlagen) die Erfahrungen machen, dass ich ein tolles Unternehmen sofort, sobald ich Barmittel hatte zu einem vernünftigen Preis kaufen musste, nur um nach ein paar Monaten / Jahren festzustellen, dass ein Crash mir nicht nur die Perfomance verhagelte, sondern hätte ich einfach auf den „Crash“ gewartet, mir unglaublich Performance geliefert hätte. Kurz: Ich saß aufgrund mangelnder Cashpositionen in der Wüste und musste zusehen, wie tolle Unternehmen als Schnäppchen zu haben waren, aber ich sie einfach nicht (nach-)kaufen konnte – in diesem Fall galt und gilt leider: price matters!
Diese Erfahrungen kann man sich ersparen und versuchen ganz streng der Buffett-Regel zu folgen. Erst wenn die Tageszeitungen wieder vom Börsencrash schreiben, ist Kaufzeit für Blue-Chips. Bis dorthin gilt es Cashpositionen aufzubauen und zuzuwarten (Investieren ist wirklich – Entschuldigung – scheiß langweilig!).
Wobei gerade das Zuwarten („Ich habe Geld, die Kurse steigen und ich bin nicht dabei!“) eine psychologisch schwierige Schranke darstellt, die es zu überwinden gilt – Geduld ist gefragt. Oder wie Buffett es wieder einmal sagen würde: „Wait for the right pitch!“ (Man muss und soll im Baseball nicht jeden Ball, den man erwischen kann schlagen, sondern man muss auf den richtigen warten – auf den Home Run!)
Wie auch immer: der nächste Crash kommt bestimmt und wer es nicht erwarten kann sein Pulver trocken zu halten, verliert jetzt schon viel Geld! Ich weiß es aus Erfahrung.

PS: Als Hilfen für eine Über-Unterbewertung des „Gesamtmarktes“ bzw ob Crashzeit ist oder nicht, beobachte ich folgende Dinge:

- Shiller P/E

- Market Cap to GDP

- Volatility Index (VIX)

- Tagespresse die nicht auf Finanzen spezialisiert ist


LG
Euer Geldexperiment